Eine Zeitreise durch Indien und Bangladesch

Erstellt von Elvira Greiner | |  Indien, Bangladesch und wir| IndienReisebericht

Teil 1: Jharkhand/Glimmerminen

Elvira Greiner, erste Vorsitzende der ANDHERI HILFE, berichtet hier über ihre Reise durch Nordindien und Bangladesch im Januar 2018.

Meine Reise - in Bildern!

Wie es mir auf meiner Reise ergangen ist, erfahrt ihr hier:

Ich ahnte es schon: Diese Projektreise würde besonders werden, die Erlebnisse würden „mir nicht an den Kleidern hängen bleiben“. Gleich am 2. Januar geht es los. Gar nicht so schlecht, das grau-trübe deutsche Winterwetter hinter mir zu lassen.

Wunderbar: über den Wolken genieße ich den Flug im hellen Sonnenschein Richtung Indien.

In Delhi werde komme ich unsanft in der Realität an: Diese Stadt macht ihrem Rang als Stadt mit der extremsten Luftverschmutzung weltweit alle Ehre!

Mit viel Verspätung komme ich am 4. Januar in Ranchi, der Hauptstadt des Bundesstaates Jharkhand an. Von dort geht es weiter Richtung Grenze zu Bihar – nein, nicht mit einer dieser überfüllten Autorikschas, sondern mit dem PKW. Dennoch, fünf Stunden – zumeist im Dunkeln – sind bei diesem Verkehr extrem gefährlich.

Am nächsten Morgen geht es in die Projektdörfer. Mein erster Eindruck von Taratard: Viele Kinder sind mangelernährt, sind krank. Warme Kleidung fehlt.

Dabei ist bitter kalt, ich friere in Pullover und Fleecejacke. Und dann sehe ich dass mehr als einmal, dass eine warme Jacke nicht dem Kind, sondern der für die Familie so kostbaren kleinen Ziege übergestreift wurde.

Das allergrößte Problem, erzählen mir die Dorfbewohner, sei der Mangel an Trinkwasser. Aber da ist doch die Trinkwasserpumpe! Richtig: von der Regierung gebaut – an einem Platz, an dem es garantiert kein Wasser gibt. Aber die Zufahrt für das Baufahrzeug war so praktisch... :-(

Und HIER holen die Dorfbewohner ihr Trinkwasser: ein von Hand gegrabenes Loch mit einer Pfütze braunen Wassers! Jetzt wundert es mich nicht mehr, dass so viele Kinder krank sind!

Zu Fuß geht es in die erste Glimmermine: Sie wurde längst als illegal erklärt, weil die Arbeitsbedingungen viel zu gefährlich sind. Wen kümmert’s! Die Menschen haben keine Alternative, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Wenn die Maschinen, die die großen Glimmervorräte ausgegraben haben, abgezogen sind, fangen die Dorfbewohner an, mit Hammer und Meißel die Reiste auszugraben.

Dies ist das glänzende Erz, das auch unsere Kosmetik und Autolacke so wunderbar schimmern lässt – und den Menschen so gar kein glänzendes Leben ermöglicht!

Im Dorf wird der Glimmer nach Qualität und Größe sortiert. Die Händler kaufen direkt in den Dörfern – zu Preisen, die sie allein bestimmen. Mehr als 1-2 Euro am Tag verdient niemand.

Ich bin gespannt: Vor knapp einem Jahr haben wir begonnen, hier ein Projekt unter Leitung von Schwester Leela Jose zu fördern. In fünf Dörfern hat sie je eine kleine Vorschule erreichtet. Ordentlich haben die Kinder ihre Sandalen vor der Tür aufgereiht.

Eine Schule nur aus Baumstämmen, mit Lehm verputzt, ein Wellblechdach dazu. Ein kleiner Raum für um die 30 Mädchen und Jungen.

Eine Schultafel, kleine Schiefertafeln für die Kinder, ein paar Lehrmaterialien: ein bescheidener Anfang. Und Schuluniformen – ganz neu – und der ganze Stolz der Kinder und ihrer Eltern, wie ich spüre!

Wir treffen uns mit den Dorfbewohnern. Ich erwarte, dass sie mir sagen, sie könnten nicht auf die paar Rupien verzichten, die ihre Kinder durch die Mitarbeit in den Minen verdienen. Weit gefehlt! Obwohl sie tagtäglich um ihr Überleben kämpfen, versichern sie mir: „Wir sind so dankbar, dass unsere Kinder eine Chance haben zu lernen! Wir schaffen das!“ Ihr Engagement haben sie bereits bewiesen, indem sie mit ihren eigenen Händen die Schulen gebaut haben.

200 Kinder zwischen 3 und 13 Jahren in fünf Dörfern: Sie haben hier nicht die perfekte Schule, sie haben keine hoch qualifizierten Lehrer, aber sie gehen nicht mehr in die Minen, haben ersten Zugang zum Lernen.

Dieser Besuch erinnert mich an die Situation in den Steinbrüchen in Südindien vor mehr als 15 Jahren. So extrem sind die Lebensbedingungen! So viel ist zu tun! Ich bin dankbar, dass wir gemeinsam mit der so überaus engagierten Schwester Leela einen Anfang gemach haben.

Ihre Ansprechpartnerin

Elvira Greiner
Erste Vorsitzende der ANDHERI HILFE

Kontakt

E-Mail

Telefon: 0228 / 926 525 33

 

Nächste Woche gibt es hier den zweiten Teil des Foto-Reiseberichtes, dann mit dem Thema
"Wasser ist Leben!"


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Elvira Greiner, erste Vorsitzende der ANDHERI HILFE, unterwegs in Indien und Bangladesch