„Ehe statt Schule“ – Fragen und Antworten

Erstellt von Ruth Kluge |

Eine Spenderin fragt sich, was genau es mit der Erfolgsgeschichte aus unserem letzten Brief auf sich hat. Hier lest ihr ihre Fragen und unsere Antworten!


Wenn wir an unsere ANDHERI-Freunde und Freundinnen Briefe versenden, dann haben wir oft nur begrenzten Platz. Eine Seite Anschreiben und ein Infoblatt zu einem Projekt – das war es meistens schon, denn wir versuchen die Infos kompakt und knackig und das Porto für den Brief niedrig zu halten. Doch manchmal gelingt es uns deswegen nicht, alle Informationen so ausführlich darzustellen, wie es nötig wäre...  

Im Juni haben wir unseren Freunden und Freundinnen dieses Infoblatt zugeschickt:

 

In der letzten Woche erreichte uns der Brief einer Spenderin mit einigen inhaltlichen Nachfragen zu diesem Projekt und der Geschichte von Amika Devi. Wir (in diesem Fall meine Kollegin Janine Langer, Projektreferentin für Indien) haben ihr natürlich geantwortet – und diese Antwort möchten wir auch euch nicht vorenthalten. Denn sie erlaubt einen noch tieferen Einblick in unsere Projekte und wie unsere Partner mit derartigen Situationen vor Ort umgehen: 

Frage einer Spenderin:
„Was hat Amika Devi, die Mutter dreier Kinder, die ihre Tochter aus der Not heraus minderjährig verheiraten wollte, so schnell zum Umdenken gebracht?“ 


Janine Langer, ANDHERI HILFE:
„Unser Partner Arunodaya Sansthan arbeitet seit 2010 mit unserer Unterstützung im Projektgebiet, der Bundelkhand-Region im Grenzgebiet von Uttar Pradesh und Madhya Pradesh. 
Gleich zu Anfang wurden sogenannte gemeindebasierte Organisationen gegründet: die Menschen vor Ort tragen stets einen großen Beitrag bei der Implementierung der Projekte vor Ort bei. Dafür kommen sie regelmäßig in diesen Gruppen (Frauen in Frauenselbsthilfegruppen, Männer in Bauerngruppen, Männer und Frauen in sogenannten Dorfentwicklungskomitees etc.) zusammen, diskutieren, reden über Probleme und finden gemeinsam Lösungen und gehen gemeinsam neue und andere Wege. 

Doch dies braucht Zeit, gerade in einer Region, wie in dieser, wo Arunodaya Sansthan arbeitet, da die gesellschaftlichen Strukturen dort sehr traditionell geprägt sind. So hat Amika Devi aus unserem Beispiel zunächst, in Panik und Sorge, nach alten Verhaltensmustern gehandelt. Die eigene Tochter Mirah minderjährig zu verheiraten, schien der einfachste Weg zu sein, um die finanzielle Notsituation zu lindern. Doch dann besann sie sich, was sie gemeinsam mit den anderen Frauen in ihrer Gruppe seit Projektbeginn diskutiert und erlernt hatte und so kam, auch Dank Unterstützung der anderen Frauen aus der Gruppe, das Umdenken.“  


Frage einer Spenderin:
„Wenn ein Einkommensprojekt so einfach ist – die Mutter kann ihre Kinder zur Schule schicken, versorgen und ihnen später offenbar auch noch eine Berufsausbildung ermöglichen – dann wäre es interessant zu wissen, wie das funktioniert.“
 

Janine Langer, ANDHERI HILFE:
„Da sich Amika Devi in ihrer Not an die Frauenföderation wandte und die anderen Mitglieder ihre Notsituation sahen, entschieden sie gemeinsam mit dem Team von Arunodaya Sansthan, dass sie ein Einkommensprojekt starten kann. 
In vielen unserer Projekte gehören Einkommen schaffende Maßnahmen zu den Aktivitäten, doch nur eine bestimmte Anzahl davon wird mit ausländischen Mitteln finanziert. Nur die besonders Bedürftigen profitieren davon und dies wird gemeinsam und demokratisch in der jeweiligen gemeindebasierten Gruppe entschieden. Personen, denen es vergleichsweise etwas besser geht, können selbstverständlich ebenfalls Einkommen schaffende Maßnahmen ergreifen, jedoch leihen sie dann beispielsweise Kredite aus gemeinsam ersparten Beträgen innerhalb der Gruppe. 

Amika Devi hat eine Ausbildung zur Schneiderin erhalten. Durch kleinere Hilfsarbeiten kann sie sich nun zu ihrem Job als Köchin noch etwas hinzuverdienen – ein „Klassiker“ unter den Einkommen schaffenden Maßnahmen. Es werden aber auch andere handwerkliche Fertigkeiten gefördert oder eine kleine Hühnerzucht oder eine Milchkuh finanziert. 
Amika hat sich fest vorgenommen, ihrer Tochter eine gute Ausbildung zu ermöglichen und sagt sich „ich schaffe das!“. Es ist Hoffens wert, dass ihr dies tatsächlich gelingt. Je nach dem, für welche Ausbildung sich die Tochter später entscheidet und wie kostenintensiv diese ist, kann es sein, dass sie auf zusätzliche, externe Unterstützung angewiesen sein wird.  

Tatsache ist, dass Amika Devi aktuell, mit der im Zuge des Projektes ergriffenen Einkommen schaffenden Maßnahme, genügend Geld verdient, dass sie ihre Kinder versorgen kann und dies auch in Zukunft wird tun können. Und das ohne, dass ihrer Tochter eine selbstbestimmte Zukunft verwehrt wird!“  

 

Für komplexe Probleme gibt es meist keine einfachen Lösungen 

Wenn auch Du Fragen zu unserer Arbeit hast, kannst Du uns jederzeit gerne kontaktieren. Wir freuen uns wenn wir auf diese Weise weiterführend informieren und aufklären können. Die Probleme unserer Zielgruppen in Indien und Bangladesch sind komplex – und für komplexe Probleme gibt es meist keine einfachen Lösungen. Manchmal brauchen wir deswegen mehr als eine DinA4-Seite, um diese zu Genüge zu beschreiben!

Melde Dich bei uns, unter info@andheri-hilfe.org

 

 

 

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