Der rote Punkt: Was unser Logo bedeutet

Erstellt von Ruth Kluge | |  Hinter den Kulissen

Habt ihr euch schon gefragt, was es eigentlich mit unserem Logo auf sich hat? Wofür steht der "rote Punkt" und was hat er mit Indien, Bangladesch und unserer Arbeit zu tun? Lest hier mehr!

Seit Anfang 2017 hat die ANDHERI HILFE ein neues Logo. Ein roter Punkt, der auf einem kleinen i sitzt. Doch was soll das eigentlich? Wie sind wir darauf gekommen? Wieso dreht sich bei uns so Vieles um den Punkt? Heute möchten wir versuchen, Antworten auf diese Fragen zu finden. 

 

Das dritte Auge

Fast jeder hat ihn schon einmal gesehen: den roten Punkt auf der Stirn indischer Frauen. Das sogenannte „Bindi“. Das Bindi wird zwischen – und leicht über – den Augenbrauen auf der Stirn aufgetragen: mit roter Farbe (ganz traditionell aus Kurkuma) oder als Klebepunkt. 
Das Bindi hat viele Formen und Bedeutungen. Besucher_innen mit einem roten Bindi auf der Stirn und frischen Blumen zu begrüßen, ist zum Beispiel weit verbreiteter Ausdruck indischer/südasiatischer Willkommenskultur – und zwar unabhängig von Kaste, Religion, Geschlecht, Kultur.  

In diesem Sinne benutzen wir bei der ANDHERI HILFE das Bindi, den roten Punkt in unserem Logo, als Willkommenszeichen und als "Assoziationspunkt" für unsere Arbeit in Indien und Bangladesch. 

 

Die ursprüngliche Bedeutung des Bindi

Ursprünglich war das Bindi Ausdruck der Zugehörigkeit zum hinduistischen Glauben, hatte es eine wichtige Bedeutung in religiösen Zeremonien, auch bei Hochzeiten. Es symbolisierte „das dritte Auge“, den „Sitz der Weisheit“, auch einen „Kraftpunkt“. Es sollte helfen, die eigene Energie zu fokussieren und vor Übel schützen.  
Die rote Farbe symbolisierte dabei „Shakti“, die Göttin der Stärke. Gelegentlich trugen auch Männer ein rotes Bindi, besonders bei religiösen Riten. Früher durften nur verheiratete Frauen ein rotes Bindi tragen, Witwen dagegen ein schwarzes. Oftmals wurde auch Kindern ein schwarzes Bindi aufgemalt, um sie vor dem "bösen Blick" zu schützen. 

Generell gibt es in Indien viele verschiedene Stirnzeichen mit unterschiedlichsten Formen, Farben, Funktionen und Namen, wie zum Beispiel Tilak oder Tilaka. Doch heute wird häufig jeder Punkt auf der Stirn „Bindi“ genannt. 

 

Die heutige Bedeutung des Bindi 

Die heutige Bedeutung ist so ambivalent wie vieles in Indien: Wie bereits gesagt, ist das rote Bindi heute weit verbreiteter Ausdruck indischer/südasiatischer Willkommenskultur – und zwar unabhängig von Kaste, Religion, Geschlecht oder Kultur. Immerhin ist Indien ein Land voller Gegensätze, mit vielfältigen Religionen und Ethnien. Selbst ausländische Besucher_innen werden bei Festen, Veranstaltungen oder beim Besuch in einer Familie/einem Dorf oftmals mit einem roten Bindi begrüßt. In vielen Tempeln wird nach wie vor Frauen wie Männern ein rotes Bindi als Segens- und Schutzzeichen auf die Stirn getupft.   

Für immer mehr Menschen in Südasien ist das Bindi heute jedoch vor allem eines: ein modisches Accessoire. Es gilt einfach als schön. Und so gibt es heute Bindis in allen möglichen Farben und Formen. So erstaunt es nicht, dass heute oftmals auch nicht nur verheiratete hinduistische Frauen ein Bindi tragen, sondern auch Musliminnen, Adivasi (indigene Gesellschaftsgruppen) und Christinnen, auch unverheiratete junge Mädchen.

 

Sonne über Bengalen – die rote Scheibe 

Der rote Punkt als Äquivalent zum indischen Bindi, soviel steht nun fest. Doch wir von der ANDHERI HILFE arbeiten immerhin auch schon seit vielen Jahren in Bangladesch, einem Nachbarland Indiens. Wie findet sich dieses, überwiegend muslimisch geprägte Land in diesem, doch ursprünglich sehr hinduistischen, Symbol des roten Punktes wieder?   Ganz einfach: in der Flagge von Bangladesch! Diese zeigt auf grünem Grund eine rote Scheibe. Diese Scheibe symbolisiert eine rote Sonne, die über der sattgrünen Landschaft von Bengalen aufgeht. Doch die Farbe Rot steht auch für das Blut der Opfer, die im Kampf um die Unabhängigkeit des Landes Bangladesch Anfang der 70er Jahre ihr Leben gelassen haben.  

 

Und warum sitzt der Punkt auf dem kleinen i ? 

Zum 50. Geburtstag der ANDHERI HILFE haben wir 2017 ein neues Logo bekommen. Vorher haben wir uns viele Gedanken darüber gemacht und die Idee des roten Punktes hat uns überzeugt! Doch welchen Wiedererkennungseffekt hat schon ein simpler roter Punkt? Es musste noch ein Alleinstellungsmerkmal für das Bindi her…

Der Name unserer Organisation – ANDHERI HILFE – bezieht sich auf den Ort, an dem vor über fünfzig Jahren alles begann: Andheri, ein Vorort von Mumbai (damals Bombay). Hier startete unsere Gründerin Rosi Gollmann ihre Arbeit mit den Ärmsten, in einem Waisenhaus. Von dort aus wurde die Arbeit der ANDHERI HILFE immer weiter über ganz Indien und Bangladesch ausgedehnt. In Andheri sind wir nicht mehr tätig, doch verbindet uns noch immer viel mit unserer Geschichte und diesem Ausgangspunkt unserer Arbeit.  

 

Ein Punkt gegen Armut und Unterdrückung 

So wurde der rote Punkt kurzerhand auch der i-Punkt im Namen unserer Organisation. Und 2017 setzten wir zu unserem 50. Jubiläum im Zuge unserer Kampagne mit allen Beteiligten symbolisch einen Punkt gegen Armut und Unterdrückung in Indien und Bangladesch.  

 

Nun sind wir schon seit über einem Jahr die NGO „mit dem roten Punkt“ und hoffen, mit diesem Erkennungsmerkmal auch noch lange viele Menschen für unsere Anliegen begeistern zu können!   

 

Was haltet ihr von unserem Logo? Verratet es uns in den Kommentaren! 

 

 

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